Plochinger Wein – die Geschichte

wengerter turm

Historie:

Der Beginn des Erwerbsweinbaus in Plochingen wird heute auf 787 n. Chr. datiert. Über viele Jahrhunderte bestimmte der Weinbau das wirtschaftliche Leben in Plochingen. Der größte Teil der Einwohner waren Weingärtner. Noch Anfang des 19. Jahrhunderts umfasste die Weinanbaufläche ca. 90 Hektar. Die vorwiegenden Rebsorten waren Elbling, Clevner, Heunisch, Gutedel, Traminer und Muskateller, später dann Trollinger und Grüner Veltliner. Dann aber verlor der Wein seine Bedeutung als Volksgetränk, die Anbauflächen gingen zurück. Mit der Industrialisierung kam Mitte des 19. Jahrhunderts die Eisenbahn nach Plochingen, erste Fabriken folgten. Beides versprach den witterungsabhängigen Weinbauern ein regelmäßiges und sicheres Einkommen. Unwetter und schwere Rebkrankheiten wie der falsche Mehltau Peronospora trugen zusätzlich zum Niedergang des gewerblichen Weinbaus bei. Schließlich wurde die Kelterrechung 1929 endgültig eingestellt. Der gewerbsmäßige Weinbau in Plochingen war damit Geschichte. Überall treffen wir aber auch heute noch in Plochingen auf Überbleibsel der jahrhundertelangen Weinbautradition z.B. das Weinbergstürmle, Gewölbekeller und Trockenmauern an den ehemaligen Weinberghängen.

 

 

Weinbauverein:

Zur Wiederbelebung der Weinbautradition wurde 1983 der „Verein zur Förderung des historischen Weinbaus in Plochingen e.V." gegründet. Nach schwierigen Verhandlungen mit dem Regierungspräsidium und dem Landwirtschaftsministerium konnte eine Wiederbestockung nach EU-Bestimmungen erwirkt werden. Seit 1984 bewirtschaftet der Verein einen Weinberg von ca. 1,1 Hektar, der im Gewann „Nothalde" liegt. Ziel des „Vereins zur Förderung des historischen Weinbaus in Plochingen e.V." ist die Erhaltung der Weinbautradition in Plochingen, die Pflege des kulturellen Erbes und die Erhaltung eines kleinen Teils einer einmaligen Kulturlandschaft. Die erste Weinlese nach der Gründung des Vereins war 1986. Der Reinerlös aus Mitgliedsbeiträgen und Weinverkäufen geht an die Franz-Oechsle-Stiftung. Diese Stiftung unterstützt die Altenhilfe in Plochingen und Umgebung sowie bedürftige Plochinger Bürger und soziale Einrichtungen.

 

Hansenwein:

Heute werden alle Weinsorten des Traditionsweinberges „Hansenwein" genannt. Ursprünglich war mit dieser Bezeichnung jedoch nur der Grüne Veltliner gemeint. Vom 15. bis 18. Jahrhundert wurden in den Kirchenbüchern die männlichen Einwohner nur mit dem Vornamen registriert. In Plochingen erschienen vor allem die Namen Hannß oder Hannes - jeder zweite männliche Plochinger war mit diesem Namen eingetragen. Die Weinhändler im Land sagten daher: „Wir fahren zu den Plochinger Hansen, um deren Wein zu kaufen". Zuerst hatten also die Plochinger ihren Spitznamen „Hansen" bekommen. Weil die Hansen aber die einzigen weit und breit waren, die den begehrten Grünen Veltliner angebaut haben, wurde dieser Wein „Hansentraube" oder einfach „Hans" genannt. Der daraus gewonnene Wein wurde zum „Hansenwein". Heute darf der Grüne Veltliner nach einer EU-Verordnung nur noch in Österreich kultiviert werden. Mit einer Ausnahmegenehmigung des Regierungspräsidiums Stuttgart kann der Weinbauverein diese Rebsorte in Plochingen nach wie vor als „lebendes Denkmal" anbauen. Die Klone für diese Bepflanzung stammen jedoch aus Österreich. Die Lagenbezeichnung „Plochinger Hansen" ist auch in der amtlichen Weinberg-Rolle (Lagenregister) verzeichnet.